‚Abfall‘ – Andreas Kraft

Wir werden Abfallen?
wer wird Abfallen, weil er Abfall ist?
Abgefallen ist, wer nicht aufstand um abzugehen.
Auffällig ebenso, daß kaum abfällig über Abfall gesprochen wird.
Sondermüll ausgenommen.
Wir sind Abfall? Sind wir?
Wir finden Gefallen am Auffallen aber aufwallender ist:
Tand, Deko, Pappmasche, Schrott.

Ich bin abgefallen. Nicht weil ich Abfall wäre.
Aber der Aufstieg kam zur falschen Zeit. Darum der viele Abfall.
Und mein Abfall steht zu sehr im Haus,
zu sehr neben der Tür, nicht an der Luft.
Im Leben geht es auf und ab. Bis die Müllabfuhr kommt.
Im Haus fallen wir nicht ab. Aber im Bett. Im Schlaf.
Abfall bringt mich heim. Von Steilhang zu Steilhang wate ich im Müll.
Irgendwo wartet: eine Riesenportion Abfall – mit Sahne.

Angst vor dem letzten großen Abfall.
Keine Falafel, kein Ballkleid, keine Falschheit.
Nur Abfall. Ein letztes Mal.
Habe ich den Mut zu Auffallen?
Die Kraft zum Aufstieg, den Atem für den Hau-drauf-Sieg?
Einmal nur die Spitze des Müllbergs.
Und dann. Vorhang zu. Tosender Abfall.

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