Estella Schweizer – Einen Sommer lang

 

Einen Sommer lang habe ich an die Unendlichkeit geglaubt

mich mit dir durch die Nächte geredet

und die Tage verträumt.

 

Habe Sternschnuppen gefangen

die absurdesten Wünsche gewünscht

und mich an der Freiheit des Wollens gelabt.

 

Habe mich rubinrot an Portwein betrunken

dir Lebensentwürfe vorgetragen,

habe planlos eine Zukunft erdacht,

und die Realität nach meinem Geschmack verdreht.

 

Einen Sommer lang

habe ich in deinen Armen gelegen

als ob es kein Morgen gäbe.

Habe die Regeln missachtet

und einfach getan was mir in den Sinn kam,

bedenkenlos!

 

Heimlich hast du mich wachgeküsst

und keiner hat´s gesehen.

 

Du hast uns einen grünen Goldfisch angeschafft

der hungrig unsere Kleider fraß

während wir im Rhein schwimmen waren.

Den Bauch voller Schmetterlinge

fast schwerelos

verlor ich den Boden unter den Füßen.

 

Du hast mich dich weinen sehen lassen

ganz im Geheimen

und ich durfte dich halten

wie ein Geschenk

 

Ich habe den Kopf in den Wind gestreckt

und das Leben geliebt.

 

Einen Sommer lang habe ich Schokolade genascht

ohne dass mir je schlecht davon wurde.

du hast mich zum Perlentauchen entführt

und ich habe schimmernde Andenken gesammelt

die in meiner Schatztruhe ruhen.

 

Ich habe dir alles an den Kopf geworfen

was es zu sagen gab

unverfälscht gerade heraus

ohne dich je verletzen zu wollen.

 

Einen Sommer lang bin ich auf dem Vielleicht balanciert

immer zwischen Ja und Nein.

 

Jetzt geht der Sommer zu Ende

Herbstlaub raschelt schon vorahnungsvoll vertraut

und nasstrüber Nebel kriecht mir bis auf die Haut.

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