Alexander Renz – Die Wahrheit von Nebenan


Die nackte Wahrheit liegt neben mir.

Das dritte Mal
war schon ziemlich normal
fast banal.

Die Wahrheit liegt nackt neben mir
und schnarcht mir ins Gesicht.

Du findest auch dann keine tiefere Wahrheit,
wenn du bist zum Anschlag drinsteckst.

Sinn und Unsinn haben ihre Grenzen,
danach kommt die nackte Wahrheit.

Sie schert sich einen Dreck um Gerechtigkeit.
Sie hat Mundgeruch wie du und ich.
Sie ist kaputt und schön und kantig.
Derangiert, angeschlagen und so echt
wie die Welt hinterhältig und schlecht.

Mit zerzaustem Haar und verschmiertem Make-up
ist die Wahrheit hart aber gerecht
und vor allem nicht abzustreiten,
bereit, auf allem herumzureiten,
vor allem auf Kleinigkeiten,
um mit Ausdauer die Details aufzubereiten.

Auf die Dauer fehlt die Zeit dafür,
weil sie verrinnt,
wird immer weniger, immer dünner,
gleitet durch fremde Finger.

Die Zeit wird knapp und rennt davon.

Ich bin die Zeit.

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