Manuel Sandmeyer – Kristallscherbenmeer

Aus dem Fiebertraum bin ich aufgewacht,
fahles Mondlicht, bitterkalt war die Nacht
und von grausamer Klarheit flog weit der Blick
in die endlose Weite und kehrt nie zurück.

Nur weiß in weiß, nur Eis und Schnee,
in grausamem Wechsel mit dem Sternensee
der die Welt überdeckt und stechend funkelnd und fern
der Ewigkeit Verheißung weckt, in ihm verlor ich mich so gern.

So steh ich, noch zitternd, im ewigen Weiß
und Moment um Moment erstarr nach und nach ich zu Eis,
ganz reglos, ganz furchtlos,
gefühllos und kein Trost.

Dann seh’ ich im Himmel durchs Augeneisglas
mein kristallenes Eisherz, in das sich Frost einst fraß,
und es spiegelt die Tränen und macht Eis aus dem Glück
und fügt zitternde Narben und macht Träume verrückt.

Und Narbe um Narbe verlor ich mehr Kraft,
bis ich’s dann, nach der Ewigkeit nicht mehr geschafft
mein Herz weiter im Himmel zu halten,
so ließ ich alles los und der Zeitengewalten
Willen ließ ich geschehen,

ja, willenlos über mich alles ergehen.

Ich sah mein Herz, kristallschwer,
wie’s zu Boden fiel und in tausend und abertausend Stücke zersplittert
und ein Ruck geht durch mich, reißt mich fast von den Beinen,
als es meine Eiswelt erschüttert
und ein Kristallscherbenmeer regnet auf mich herab,
zu Boden, auf meines Kristallherzens Grab.

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