Ingo Heckwolf – Berührungsangst

Es brennt
Kein Feuer
Nur ein radikaler Hauch
Ein Gefühl im ungewissen
Aber vertraut
Es brennt
Kein Rauch
Nur ein hitziges flimmern
Ein drängelndes kribbeln
Unter der Haut
Es brennt
Kein Alarm
Nur kleine Stiche des Wollens
Wie in ein sanftes Nadelkissen
Kein Blut, nur zärtliches Verlangen
Die Tage an denen wir nicht an das Ende dachten
An denen wir laut heraus riefen und schrien
„Wie sehr wir das leben liebten!“
„Ich liebe das Leben!“
auch unaufgefordert wiederholten
Leicht und unbedarft
Auf einem Hochhausdach tanzend
Auf einer Düne im Wind am Meer
Auf dem Fahrrad übers Feld getragen
Mit einem Lied auf den Lippen
Barfuß auf warmem Asphalt
Warmem Sand oder durch kühles Gras
Streifend mit halb geschlossenen Augen
Durch Hunderte von Düften gewirbelt
Wach und voller Energie
Gereizt aber entspannt
Fiebrig aber gesund
Rotwangig aber hungrig
Zufrieden aber bereit
Es brennt
Kein flammendes Inferno
Nur eine heimliche knisternde Glut
Ein offen entstellendes Handeln
Aber dann doch nicht getraut
Es brennt
Kein Großbrand
Nur ein Licht im Unterholz
Wie eine vertraute lang ersehnte Gefahr
Zum Greifen nah und doch so fern
meine Liebe wie für mich gemacht
wie ein erloschener Stern in einer Vollmondnacht
° ° °
(Lyrda.net)

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