Jan Deichner – Niemand schaut mich an


Niemand schaut mich mehr an, schon lange nicht. Schon lange, lange, lange nicht.
Seit damals. Seit damals heißt in der Nacht aufstehen weil man Pinkeln musste
und obwohl ich das licht nicht anrührte, sah ich es doch am Spiegel, schattig vorbeihuschen.
das Nachtlicht zeigt es undeutlich genug. Ich taste das Licht an und der Beweis, niemand schaut mich mehr an. Fluchen, Weinen und Beten brauche ich nicht mehr, denn es bleibt mir nur noch das Kratzen weil es so furchtbar juckt. Überall. Der Ausschlag im Gesicht bis hinter beide Ohren an den Ellenbogen entlang zu jedem einzelnen Finger. Der ganze Rücken ist voll davon und am unteren Bauch. Ich habe Ausschlag bis runter zum Schwanz und um den After herum. Ausschlag der juckt und nässt, der sein Eigenleben weiterführt und erst an den Kniekehlen halt macht.
Niemand fickt mehr mit mir, nicht einmal die Prostituierten. Was mir bleibt ist das Glotzen und dieses entsetzliche gefühllose Zappen, Scrollen oder Blättern. Ich schaue auf neutrale Flächen Bilder an.
Von der Muschi bis in die Provence. Beides bleibt fremd.
Die Krankheit habe ich aus dem Ausland importiert, während der Flitterwochen. Ich hätte das Angebot nicht annehmen…hätte das nie machen…hätte die anderen lieber nehmen… hätte zulassen müssen das ich endlich gehe.
Alle Versuche die Vermittlungsagentur zu verklagen scheiterten im Nebel von no risk no fun.
Meine Wohnung bleibt dunkel und ich warte auf den Anruf, das Tropeninstitut will sich noch melden. Es ist schön Stimmen zu hören auch wenn sie einem nicht helfen können.
Niemand schaut mich mehr an stimmt schon lange nicht mehr.
Ich schau ihn nicht mehr an, bitteschön.

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