Verena Reiss – Ferne

Ich erreiche dich nicht
verstehe dich nicht
meine gottverdammte Pflicht
dir zu helfen ist aussichtslos
will dir so viel geben
deinen Schleier aufheben
du schweigst mich nur an.
Und irgendwann
ist es zu spät
doch du fühlst das nicht.
Du siehst dein eigenes Ende
wieder und wieder im Licht
und meins ist dir so fern.
Du erkennst nicht die Eile
die erschreckend kurze Weile
in der ich nur bei dir sein kann.
Wie soll ich dich erreichen
wenn du mal nah bist, mal fern
wie sollen leere Worte reichen
um die Brücke zu beschreiten?
Du schreist so laut nach Hilfe
ertragen kannst du sie nicht
ein bleischweres Gewicht
das dich auf der Stelle hält
als wärst du nicht wirklich auf der Welt
sondern immer nur dazwischen.
Aber ich gehe die selben Wege
unsere Leben verwischen
vermischen.

Ich lächle oft und gern
doch weil ich das Leid schon kenne
und ohne Furcht beim Namen nenne
du denkst, ich lache aus Ignoranz
verstünde nicht den Tanz
den du vor dem Abgrund vollführst.
Doch ich tanze auch
und wenn ich falle
und ich weiß, das tun alle
dann werde ich mich fallen lassen.
In abendschwarzen Gassen
läufst du alleine umher
deine Schritte sind schwer
du schreibst, um dich frei zu machen
fängst wieder an zu lachen
wenn alles draußen ist
wenn du es den Leuten
vor den Kopf geworfen hast.
Immer und ohne Rast
machst du weiter und mehr
und merkst nicht, wie sehr
du dich schon leer gesprochen hast
das Loch vergrößert sich noch
solange du eben doch
nur sprichst und niemals hörst.
Du erwartest keine Antwort
und solange dich das nicht stört
werde ich fremd für dich sein
dein Leid ist nicht mein
meine Worte nicht dein.
Aber ich gehe die selben Wege
unsere Leben verwischen
vermischen
selbst in der Dunkelheit
deiner abendschwarzen Gassen.

Denn dieses fremde Leid
kann ich zwar nicht ermessen
aber hören nah bei mir
und fühle uns schon wir
wenn du noch allein deine Weisen singst
und schwindelnd mit dem Abgrund ringst
kann deine Worte nicht ermessen
und noch viel weniger vergessen.
Wir verlassen
uns gegenseitig im Stich
ich winde und malträtiere mich
habe dich noch immer in Sicht
solange du weiter da bist
irgendwann haben wir uns verpasst
und du hast es nicht mal bemerkt.
Und später noch sind wir weg
nur noch ein dunkler Fleck
in den Herzen der Bleibenden.
Wir beide werden nicht verstanden haben
werden gehen mit unserem Schaden
den wir selbst nicht glätten konnten
dann ist es egal
dann hat niemand mehr die Wahl
und braucht sie auch nicht
aber hier im Jetzt und Ich
können und werden wir ändern
alleine oder zusammen wandern.

Du lässt mich auf Distanz
das Loch in dir
geht an meine Substanz
du rufst in die nächtliche Stille
dein tränenschwerer Wille
will und sieht doch nicht
sucht und findet nicht mich
sondern harte Herzen
ferne Ohren
und noch mehr Schmerzen.
Aber ich gehe die selben Wege
unsere Leben verwischen
vermischen
auf deiner nachtschwarzen Suche.

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