Daniel Baz – Schneelied

Schneelied

 

Wir sind von Eisenhüttenstadt

Uns lässt der Raubbau am Wald kalt,

denn die Maschinen schlucken Meter um Meter  konkreter

 

Wo die Waldwirtschaft einst waltete zeugen die Alpenrosen

In prächtigen Feldern heute für die Wissenden vom alten Waldboden

 

Wie einst vielleicht ein guter Boden vom Auschwitztiere Mensch

Gedenken an die Wesen die im Maroden roden

 

Licht scheint in die kühle Stille eines elektrischen Doms

Und bricht sich millionenfach in überstimulierten Augen

Libellenlarven schwingen sich auf zum Jungfernflug ins Feindesland

Das Leben ist schön,  nicht das Schöne allein das Leben

Reize beizen den Glauben

 

Luftig leichtes kurzes Leben über den Wassern

Klingt das Rauschen unserer Paarungsreigen

Die Welt entzieht sich eigentümlich scheint sie uns zu eigen

Admiral Doppelmoral Panzerkreuzer zur seelischen See

Kommandant wohl nur in Spee

 

Die Weibchen sind wie alle guten Brüter ganz der Umgebung angepasst

Der Auerhahn er balzt in stolzer Farbenpracht

Freiheit der Wahl zwischen Allberührbarkeit und Stolz

Elektrische allerrektive Nacht als Fahrwasser für krummes Holz

Hauptsache dabei gewesen, Hauptsache mitgemacht

 

Der Herbst bereitet Abschiede die den langen Winter mit Sehnsucht würzen

Winter wandelt grüne Inseln in weiße Wildnis

Der große Anstreicher, redet rot in fackelhellem Dunkel

Wir spingen, wir bouncen, wir zerbrechen gefällig gefälligst im Stürzen

 

Sturzbäche ängstigen Natur dringen aus rusgeschwärzten Städten

Saubere Luft, offene Weiten, Stille unberuhigter Wildnis –Interfacebildnis

Ungezähmte Ränder, Mehrwertbiofeld der Zeitpfandbriefehändler

Stellung beziehen um zu sagen wie wir`s gerne hätten

 

Nutzet das Prallen der Hörner, nutzet das Fett der Kapaune

Nutzet die Verdrossenheit, die Sattheit und die Vielen

Findet euch in unerreichten Zielen

Bindet euch an Meerbrausen, gehört dem runen Raunen der Alraune

Hört in jedem Stöhnen Fickender und Sterbender ein ähnliches Gestaune

 

Fickt am Eisernen Vorhang wo der Mensch verboten war    um Menschheit zu schmieden

Ist grüner Gürtel gewuchert

Todesgrenze wird Korridor des Lebens von Schussgefahr zu Schutzgebiet

Präservatives nach Geschichte, viral: Im Suchen heillos Seuchen weben

Ein Wehrmutstropfen für die Gestopften

An alle einsam Hungrigen:  Auch ihr werdet ins Geschick gefickt

 

 

Baut Brücken für Bären, Flüsse ganz naturbelassen, Überschwemmungen willkommen

Verengt, vertieft, geweitet, aufgestaut –  komm lasse es raus

Angeheizt und aufgepeitscht bekommt Austausch Metastasen

Würd gern in deiner Lücke lümmeln kannst mir auch einen bla bla blasen

 

Die andern könn` es gerne sehn vielleicht macht einer mit

Am liebsten hab ich´s abenteuerlich mit Neigung zum anderen Extrem

 

Flüsse zu Abflüssen, Flüsse zu Zuflüssen, Flüsse zu Schnellstraßen

Um sich mit Bewegtem zu verbinden um in Beschleunigung zu schwinden

 

Chinesische Wollhandkrabben, Schädlinge an den Häfen

Asiatischer Laubholzbockkäfer seine Larven fressen sich durch jedes Holz

Asiatischer Knöterisch, die siebenköpige Hydra

Computerbedingte Wachstumsbedingungen sind Kunstdünger für Übernaturen

Wir spuren auf den Spuren die uns spuren

 

Schneekanonen für Spa?kanonen wir schmilzen dahin

2100 wenn London nur bei Ebbe auftaucht

Kontinent der Kontraste, Europa die wilde alte Welt

Hauptsache wir waren die Illusion und den Zugang zu Geld

Wachstum und Angstfreies Gleiten ist was hier zählt

 

Schneelied wahnsinniger Blick hat sich hitzig in die Welt geschmolzen

Jetzt schaut aus jedem Schnee die Asche und aus jedem Schlot der Tod

 

Dann hebe ich nach langem Flennen mein Haupt zum Himmel

Dann seh ich in die Welt  und es formt sich ein Frauenhaupt aus meinem Himmelszelt

Und dann raunt es Gott ist tot und die Fluttore ersoffen

Dann krall ich mich in dein Gesicht und denk es können nur Menschentiere hoffen

Das Kinderzukunft zu uns kommt als große Wunde –OFFEN

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