Jochen Schünemann – Die Dämonie bleibt – Manie


Die Dämonie bleibt. Im Traume wie im Leben,
tanzt im Schatten, schweigend dem Moment ergeben,
der da kommt, um sie zu wecken,
wenn die Sklaven ihre alten Wunden lecken.
Kommt mit Raserei und Feuer,
nimmt mich mit die Höllenrösser reiten.
Zurück bleibt tote Erde,
verdorrte Blumen und der Gestank des Todes,
der in der Seele klebt, und den Blick verschleiert.
Die Dämonie ist die Liebe, die mich vorwärts schlägt,
mich aus Stakkatogleichklang in Wasserfälle trägt,
mich in den Strudel stößt und mir den Kopf verdreht.
Lacht hämisch wie ein Alb, grinsend nachts auf meiner Brust.
Schenkt mir süße Ambrosia ein, gibt mir den Zucker des blutroten Weines,
der den Vampir in mir weckt,
das Kleid verdreckt und die Lust zum Wahnsinn werden lässt.
Genieße meine Euphorie – sie ist es, die mich ins Koma schlägt
und dich aus der Peripherie ins Leben trägt.
Mein kochendes Blut, das Feuer in den Venen,
meine Liebe zum Schmerz und zum Leben,
mein Überschwang, die Hingabe zur Ekstase,
der Schritt hinaus über die letzte Phrase
zeigen dir, dass du lebst
und mir, was mich quält:
Nie die Sonne zu küssen
und den Mond zu streicheln,
nie die Sterne zu reiten
und das Meer zu teilen.
Nie den Kosmos zu ergründen
und ihn zu erfüllen mit meinen Sünden,
nie die Moleküle zu fassen
und sie einzeln zu vernaschen.
Nie Nathan den Weisen zu belehren
und ihm Reiskörner zu verwehren,
nie Aphrodites nackten Busen für mich allein zu haben
und nie mit ihr in der Milch der Cleopatra zu baden…“
treibt mir den Dolch ins Herz
und lässt mich müde in die Kissen sinken,
wenn die Raserei beginnt zu hinken
– kraftlos droh ich zu ertrinken
in eurer Gleichklanggleichschrittseinheitswelt,
die mir verwehrt als nackter Pan im Walde rumzustreifen
und die Wunder zu verzerren, die an jedem Grashalm reifen.
Doch die Dämonie bleibt,
sie findet ihren Weg
und ich weiß, dass sie mich an bessre Orte trägt.

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