Jochen Schünemann – Moderne Apokalypse


Wetteifernd streitet der Katechismus der Pornographie
mit den siechenden Formen der Zeit,
sich selbstverwesend spielt des Menschen Animalie
mit dem Traum von einer Göttlichkeit.
Nackt sitzt Maria in der Abendröte,
die Schenkel spreizend aus deren Mitte Würmer kriechen.
Sabbernd streichelt Pan die Flöte,
während die Wölfe verdorrte Wälder riechen.
Auch Mammon tanzt zum Dämmerreigen,
wirft mit Münzen nach Horas Zitzen.
Der Sand gerät ins Schweigen
und die Jungfrauen ergeben sich dem Schwitzen.
Schneller muss das Pferd beschlagen werden,
um die Runden in der Arena abzustöhnen,
heuer muss die Welt zerrissen werden,
bevor die Kirchenglocken dröhnen.
Adam macht den Antrag an den Abgesang
und wünscht sich Schlaf in tiefen Särgen.
Rasend wurde Edens Fall zum Drang
die Rätsel in erregtem Wahn zu bergen.
Der Mystizismus verliert den Halt,
verfällt dem Taumel der erreichten Zeit,
in der der Wind nicht mehr durch Kinderohren hallt
und die Herzen von der Gefahr der Rationalität befreit.
Selbst die Skelette stoßen noch wild mit ihren Becken
und lecken Goldstaub aus der toten Erde,
um die Nachzeit zu beflecken
– vollführen noch des Menschen Machtgebärde.
Schweigen schweigt die Schweigenden in ihren Bann.
Träume träumen Träumende nicht mehr an.
Die Modelwelt tanzt ihre Anarchie.
Der Plastikmensch legt sich kalt zu Grabe.

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