Verena Reiss – Nachts gefangen

 
Im roten Dunstnebel
die Luft dick wie
ausgeschwitzte Lebenslust
Ein hitziger
Vergnügungsrausch
junge Körper immer
bereit
die Herzen der Freien immer
am Tanzen
Ich tanze
fremd
zwischen solchen, die
nie aus dem Takt geraten
in ihrer Unabhängigkeit
Heimat fanden
Meine Heimat
bei dir
dein Gesicht, deine Haut
zwischen
dem abendroten Rausch
deine Hände in
der lebensschweren Musik
zwischen den Rhythmen der
kraftvollen schönen
Körper
immer nur du und du
Dein Leben ist
da für solche Nächte
Die Frauen, sie könnten
jede sein wie du
stark
ihr gemeinsam,
wer weiß?
Es schmerzt
Eine von ihnen sein
damit ich mit dir
leben könnte
damit du mit mir leben würdest
einer von diesen –
Die Fremdheit
schlägt mir ins Gesicht
mit jedem
hitzigen Gitarrenton
mit jedem trunkenen Lachen
verhöhnt mich
mein Körper wogt mit,
mein Herz
fühlt nur die
schmerzende ewige Kluft
zu dir.

3 thoughts on “Verena Reiss – Nachts gefangen

  1. WUNDERSCHÖN… dein Text, die Worte zwischen den Worten, die Deutungen zwischen den Zeilen – alles findet in mir Resonanz und ich fühle mich ertappt, gesehen worden zu sein!
    Estella

  2. so gute wortwahl, dass die atmosphäre, die du zeichnest, überschwappt und mich in das traute, schmerzliche gefühl der unerreichbarkeit versetzt.

    immer wieder staune ich, wie sehr eine „kluft“ verbindet.. wie sehr man sich spalten kann und in der schmerzlichkeit den sinn erkennt.
    die letzten beiden strophen fassen das so wahr. berührender text!

    toni

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