Marcel Appel & Jochen Schünemann – Sonette aus dem Kiez

I.

 

Versuchen heißt Scheitern, darum liebe ich wütend,

Bis Flammen zu Eis erstarr‘n, lachender Schelm,

Verharre in diesen kalten Wüsten nicht brütend,

Zerstöre Attitüden, zertrample Traumgespenster alter Quell‘n

 

Wenn dich die Leidenschaft gleich einer Faust bedroht,

Erbreche dich auf alten Stufen mit der schwarzen Galle deiner Abendsonne,

Zeig der Welt die Fratze und heuchle deine Not,

Lass die dürren Knochen der Liebe splittern, so erfreust du dich diabolischer Wonne

 

Törichte Nachtigall! Verschweige den Abendruf an altbekannten Stell´n,

Ich bin zwar taub im Schädel, ich trage ihn wie einen Helm,

Doch ich kenn die erstickende Trauer, die dein Rufen birgt

 

Erfreue dich deiner Verzweiflung, du hast den Gipfel erklommen,

Nun stürze dich nieder unter des Atlas schweren Tonnen,

Wie fühlt sich dieses Lachen an, wenn man alle Last verliert?

 

II.

 

Ich zittere vor dir! Oh, Ozean der ungeträumten Wünsche!

Dabei erwärmt mich doch dein Atem einer kalten Brise

Wie die süßen Küsse einer uralten Meeresnymphe,

Bin der Gefahr bewusst, weshalb ich deine Nähe umso mehr genieße

 

Zaudernd blicke ich auf die Gischt deiner brechenden Wellen,

Unentschlossenheit? Angst? Was ist es, das mich hält?

Sind es die Sterne, die schweigend dein Angesicht erhellen?

Du zürnst meiner Einsamkeit, wer von uns beiden ist von dieser Welt?

 

Doch du bist mein Lehrer und sorgst, dass ich mich auf dieses Blatt ergieße,

Wer bliebe lieber am Ufer? Qualvoll dies Begehren nach Verschmelzung mit deiner Tiefe,

Doch in Erstarrung sind die Füße an den Gestaden fixiert

 

Meine Gesten, mein Gebaren ist an deinen Klippen zerschellt,

Es scheint mein erschrockenes Herz habe sich an deinen Lippen geprellt,

Muse? Pein? Strahlende Unwirklichkeit, die mich mit süßer Verblendung verwirrt

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